29.08.17

Chili-Ausstellung: Vom Gaumenschmaus bis zum Höllenfeuer auf der Zunge

Die Wilhelma ist zurzeit das Schärfste, was Stuttgart zu bieten hat, und das nachweislich. Dank der Chili-Ausstellung, die am Wochenende im Zoologisch-Botanischen Garten eröffnet wurde, hält die kühne These jedem Vergleich stand. Rund 100 der als Gemüse oder Gewürz immer beliebteren Nachtschattengewächse sind jetzt bis zum 15. Oktober am und im Wintergarten zu sehen.

Von der Verkostung ist dringend abzuraten, denn die Intensität der Schärfe ist den zipfeligen Früchtchen nicht anzusehen. Die gezeigten Züchtungen reichen von der süßlichen Paprika bis zum Gaumenfeuer des höllisch scharfen „Carolina Reaper“. Der Weltrekordler kommt auf der Scoville-Skala auf den Wert von 2,2 Millionen: Seine Flüssigkeit müsste man mit dem 2,2-Millionenfachen verdünnen, um keine Schärfe mehr zu schmecken. Bei nur einem Milliliter vom Reaper wären dafür nicht weniger als 2200 Liter Wasser nötig. Im Vergleich: Das ist 440 Mal schärfer als Tabasco.

Unverdünnt kann das Capsaicin aus den Chilis zu Verbrennungen auf der Haut und in den Augen führen. „Für das Ernten der Samen ziehen wir immer Handschuhe und Schutzbrille an“, berichtet Fenja Krüger, die in der Wilhelma die Chili-Sammlung betreut. „Dabei sind die Samen selbst nicht kritisch. Die größte Schärfe steckt in der Plazenta, an der die Samen wachsen, und den weißlichen Scheidewänden der Früchte – die übrigens anders als in der Umgangssprache biologisch keine Schoten sind.“ Krüger bietet kostenlose Führungen durch die thematisch geordnete Chili-Schau an den Samstagen vom 9. und 16. September jeweils um 9.30 Uhr und um 11.30 Uhr an. Nur der normale Eintritt ist zu bezahlen, eine Anmeldung jedoch nötig bis zum Vortag um 12 Uhr in der Wilhelma-Zentrale unter Tel. (0711) 54 02-0.

Die Zierpflanzengärtnerin erläutert dabei 90 Minuten unterhaltsame Details über die auch sehr dekorativen Chili-Pflanzen. Insgesamt umfasst die Wilhelma-Sammlung zehn Arten sowie 146 Sorten. 33 neue Sorten sind seit dem Vorjahr hinzugekommen: zum Beispiel die Sorte „Elefant“. Die besondere Riffelung durch die Verkorkung der Schale lässt die Frucht wie einen Rüssel ausschauen. In Afrika werden Chilis teilweise auch genutzt, um Elefanten von Äckern fernzuhalten. Die Dickhäuter meiden den beißenden Geruch, wenn Bauern mit zerriebenen Chilis vermengten Dung verbrennen. Spannend sind in der Wilhelma die Wildformen mit den Zuchtformen zu vergleichen. Die wilden Chilis tragen nur kleine Früchte, die aufrecht stehen und leicht abgehen: alles Eigenschaften, die Vögeln die „Ernte“ leichter machen, damit sie die Verbreitung der Samen übernehmen. Dicke hängende Früchte brachte erst die Zucht. Sie hat auch die Farbenpalette von Rot und Grün über Weiß und Gelb bis zu Braun und Lila aufgefächert und die Formen kapriziös gemacht. In hübschen Gruppen zusammengestellt finden sich so verschiedenste Varianten wie das Schokoglöckchen „Chocolate Miniature Bell“, das Tröpfchen „Cupetinha“, das bohnenartige „Thunder Mountain Longhorn“ und der beerenförmige „Black Prince“. (kni)

Pressefotos

Bild 1: Zierpflanzengärtnerin Fenja Krüger inmitten von Habanero-Pflanzen. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 2: Immer neue Züchtungen verändern die Form der Chilis: „Cupetinha“ (links) hat eine Tröpfchenform,  die Sorte „Elefant“ erinnert an einen Rüssel. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 3: Drei ungleiche Chili-Sorten: die „Naschzipfel“ (unten am Boden), die langen bohnenartigen Sorte „Thunder Mountain Longhorn“ und der beerenförmige „Black Prince“. Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 4: Weltrekordhalter als schärfster Chili ist der "Carolina Reaper". Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 5: Zu den farbenfrohesten Chili-Züchtungen gehört die Sorte "Barra do Ribeiro". Foto: Wilhelma Stuttgart

Bild 6: Schaukasten mit Produkten, die durch Chili-Schärfe den letzten Pfiff erhalten: darunter auch Lutscher für Erwachsene und Zahnpasta. Foto: Wilhelma Stuttgart

 

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