Der Gorillakindergarten

Dass Gorilla-Babys in die Handaufzucht kommen, kann unterschiedliche Gründe haben: Entweder werden die Jungtiere von ihren Müttern nicht angenommen, die Mütter haben aus gesundheitlichen Gründen nicht genügend Milch oder die Mütter sind nach der Geburt verstorben. Teilweise rund um die Uhr werden die Kleinen von erfahrenen Tierpflegerinnen und Tierpflegern in der Wilhelma versorgt, bis sie mit etwa drei bis vier Jahren in die Flegeljahre kommen und im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) in andere Zoos abgegeben werden. Im neuen Affenhaus lernen die Flaschenkinder dank der direkten Nachbarschaft zur Gorillafamilie von klein auf von ihren großen und kleinen Artgenossen, was ein richtiger Gorilla alles wissen muss. 

Derzeit ist der Gorillakindergarten der Wilhelma leer. In den vergangenen Jahren wurden hier vier Jungtiere aufgezogen. Sie sind jetzt groß und erfahren genug, dass sie an Zoos weitervermitelt werden konnten, in denen sie in Gorilla-Familien aufgenommen werden. Tano und Okanda gingen im Frühjahr 2015 in den Münchner Tierpark Hellabrunn. Vana und Tebogo sind im April 2016 in den Zoo Dublin nach Irland gezogen. 

Gorilla-Kindergarten „verwaist“? Kein Grund zur Trauer!

Das hat es seit Eröffnung des ersten Menschenaffen-Kindergartens in der Wilhelma vor gut 35 Jahren nicht gegeben: Die Aufzuchtstation steht leer! Der Grund ist: Derzeit gibt es europaweit nur ein Gorillakind, das von Hand aufgezogen werden muss – und dieses Jungtier im Zoo von Bristol (England) hat gute Chancen, bald wieder in seine Geburtsgruppe integriert zu werden.

Auch wenn manche Besucher der Wilhelma es sicher bedauern, dass im Kindergarten (vorläufig) keine Gorillakinder mehr zu sehen sind: Eigentlich ist das ein großer Erfolg für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) und auch für die Wilhelma. Denn die Anzahl der Fälle, in denen ein im Zoo geborenes Baby von seiner Mutter nicht angenommen wird, ist seit Jahren rückläufig. Andersherum gesagt: Immer mehr Gorillafrauen ziehen ihre Kinder selbst auf. Und das ist eindeutig auf Verbesserungen beim Management der Zuchtgruppen und bei den Aufzuchtmethoden zurückzuführen.

Außerdem: Wer Gorillababys so sehen will, wie es für die Tiere am besten ist, braucht nur ein paar Schritte weiterzulaufen. In unserer Familiengruppe nebenan wachsen gerade drei Jungtiere gleichzeitig auf.

In der Jungtieraufzuchtstation werden – wie wir es für diesen Fall von Anfang an vorgesehen hatten – demnächst kleinere Affen einziehen. Zumindest so lange, bis von irgendwo in Europa ein Anruf kommt und wir den Platz wieder für Gorillakinder in Not brauchen – was wir im Sinne der Tiere nicht hoffen wollen!