13.08.21

Pfeifenblume imitiert Pilz perfekt: Meisterin der Täuschung blüht erstmals

Viele Tiere gelten als schlau. Doch manche Pflanzen schaffen es, Tiere auszutricksen, um sie als Bestäuber anzulocken. Was die berühmte Titanwurz in großem Stil vollführt, gelingt der Pfeifenblume durch raffinierte Täuschung im Kleinen. Beide geben vor, etwas anderes zu sein. Als Premiere ist das in der Wilhelma jetzt zu beobachten. Erstmals blüht die Pfeifenblume, die schon mehr als zehn Jahre im Bestand des Zoologisch-Botanischen Gartens in Stuttgart ist.

Die ganz unterschiedlichen Arten wachsen in Regenwäldern, wo relativ wenige blütenbestäubende Insekten vorkommen. Die auf der indonesischen Insel Sumatra beheimatete Titanwurz imitiert etwa einen Tierkadaver. In der Blütezeit erwärmt sie sich und stinkt nach Verwesung, um Insekten anzuziehen, die einen Platz für ihre Eiablage suchen. Dagegen hat sich die Pfeifenblume in Mittelamerika auf die Bestäubung durch Pilzfliegen spezialisiert und bietet viel auf, um für die attraktiv zu wirken. Denn diese Insekten legen ihre Eier auf Pilzen ab, die später als Nahrung für ihre Larven dienen sollen.

Die Pfeifenblume hat mehrere Tricks auf Lager. Eigentlich ist schon ihr Name verwirrend. Denn es handelt sich dabei um einen kleinen Baum. Da Pilze meist am Boden wachsen, entwickelt der Baum seine Blüten ungewöhnlicherweise an der Basis seines Stammes. Die Pfeifenblume schafft es zudem, den Geruch von Pilzen nachzumachen. Und im Zentrum jeder Blüte wächst, umrahmt von einer leuchtend roten Höhle, die optisch perfekte Kopie eines kleinen Pilzes. Mit weißlichem Stil und rotbrauner Kappe imitiert sie Pilze aus der Gattung der Schwindlinge. Sie kommen in der Heimat der Pfeifenblume in der Streuauflage des Bodens und auf Totholz häufiger vor. Wenn die Pilzmücke die Täuschung bemerkt und die Blüte verlässt, ist sie bereits dicht mit Pollen übersät und bestäubt so ungewollt die nächste Blüte, auf der sie danach landet.

In der Wilhelma gibt es die Pfeifenblume schon mehr als zehn Jahren, hatte jedoch noch nie geblüht. Bisher war sie als Topfpflanze kultiviert worden und erst kürzlich in ein Beet in der historischen Gewächshauszeile ausgepflanzt worden. Sich ausbreiten zu können, veranlasste die Pflanze offenbar nun, Blüten zu treiben. Weil die Pfeifenblume in der Natur selten vorkommt, gilt ihre Erhaltung in Botanischen Gärten als wichtig.

Zu finden ist das Bäumchen im ersten Vogelhaus, das man in der Gewächshauszeile vom Haupteingang aus betritt. Dort sind die markanten Blüten in Bodennähe gegenüber von der Voliere mit den südamerikanischen Vögeln am Ausgang zum Orchideenhaus ausgeschildert und beschrieben. (kni)

Pressefotos

Bilder: Die Blüten der Pfeifenblume bilden einen Pilz nach, um Fliegen anzulocken. Foto: Wilhelma Stuttgart

 

Bei Verwendung der Pressefotos bitte Copyright und Bildnachweis beachten (siehe auch IPTC-Daten)! Die Bilder dürfen im inhaltlichen Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung zur Veröffentlichung in Zeitungen, Zeitschriften, Reiseprospekten und Online-Portalen sowie Fernsehbeiträgen verwendet werden - bitte unbedingt dabei auf einen korrekten Bildnachweis achten. In der Regel lautet dieser "Wilhelma Stuttgart". Mitunter stellen aber auch andere Fotografinnen und Fotografen ihre Bilder zur Verfügung (siehe jeweils bei den Bildlegenden). Die Weitergabe der Fotos durch Nachrichtenagenturen ist im inhaltlichen Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung gestattet. Die kommerzielle und werbliche Nutzung sowie der Weiterverkauf durch andere Dritte, wie zum Beispiel Verlage oder auch Privatpersonen, ist nicht erlaubt.